DIE VERGESSENE ZIELGRUPPE
Wenn ich mich so durch die Adultwebmasteforen lese, stelle ich immer wieder fest, dass eine grosse Zahl von Bizteilnehmern das ultimative Erfolgsrezept in einer fehlenden, allesrevolutionierenden Innovation vermutet.
Mir kommt das vor, als würde man das Thema Ecommerce mit einer Art Abenteuerpark verwechseln, in welchem es dem kaufenden Kunden nie langweilig wird, sich jeden Tag neu zu orientieren. Vergleichbar ist das, als würde ein Kaufhaus seine Waren, jeden Tag in eine andere Ecke stellen oder überhaupt ganz andere Waren verkaufen als am Tag zuvor (oder sie einfach anders nennen).
Sicher mag es das „Abenteuerinternet“ geben und es hat auch seine Berechtigung aber in aller Regel ist es doch nur eine recht junge Zielgruppe, die diesen ständigen Lernprozess aufregend findet. Wenn wir uns der älteren, zahlungskräftigen Zielgruppe zuwenden, sieht die Sache schon ganz anders aus. Gerade reifere Menschen nutzen das Netz nicht um unbekannte Welten zu entdecken, sie BE-nutzen es um schnell und einfach an vorbestimmte Ziele zu gelangen.
Wenn man sich mit der Intension des Geldverdienens im Netz bewegt, wird man früher oder später zweifelsohne zu dem Schluss kommen, dass Beständigkeit und Simplizismus Kernaspekte dieses Erfolges sind. Und gerade für eine, fast vergessene aber wichtige und vor allem WACHSENDE Zielgruppe, sind diese Umgangsgewohnheiten besonders wichtig: Die Gruppe der 63-jährigen.
Nun wird sich der eine oder andere fragen, warum gerade 63? Warum nicht 58 oder 69? Die Antwort darauf ist ebenso einfach wie logisch: Weil die Gruppe der 63-jährigen, die derzeit einzige ist, die in den kommenden 9 bzw. 18 Jahren stärker wachsen wird als der Rest der Bevölkerung.
Sicher hat jeder schon einmal den Begriff des „Babybooms“ gehört – dieser bezeichnet die Zeit zwischen 1946 und 1964 in der weltweit mehr als 1 Milliarde Menschen geboren wurden. Diese Kurve stieg in einer relativ runden Kurve bis zum Jahr 1955 an und ebbte in einer ebenfalls runden Kurve bis zum Jahr 1964 wieder ab. Stellen wir uns das Ganze bildhaft vor, so bilden die Menschen, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden einen Halbkreis, der aus der Bevölkerungsstatistik hervorsticht – man könnte es auch mit einer Schlange vergleichen, die gerade ein Kaninchen gefressen hat und dieses so langsam von Vorne nach hinten durch ihren Verdauungsapparat bewegt.
Rechnet man nun vom Anfang der Babybooms nach heute, so beginnen wir also bei 1946 und stellen fest, dass diese Menschen heute 63 Jahre alt sind. Damit aber nicht genug, denn die Kurve stieg ja ab 1946 an und somit wächst die Zahl dieser 63-jährigen jedes Jahr konstant an.
Mit anderen Worten: In den kommenden 18 Jahren, wird im Durchschnitt alle 8 Sekunden ein Mensch 63 Jahre alt.
Schon in der Vergangenheit sind Unternehmen (aus Zufall oder bewusst) mit dieser Zielgruppe gewachsen und zu Weltruf gelangt. So zum Beispiel haben die meisten erfolgreichen Unternehmen für Kindernahrung um das Jahr 1946/47 ihren Siegeszug angetreten – um die Jahre 1952/53 (also zur Einschulungszeit dieser Gruppe) begannen Unternehmen wie Pelikan und Geha plötzlich explosiv zu wachsen, da diese Zielgruppe Füllfederhalter und anderes Schulgerät brauchte.
Betrachten wir den Bauboom in den Jahren von 1970 bis 1980, so wird klar, dass hier ebenfalls diese Zielgruppe stark mitgewirkt hat, da die damals 24-jährigen Wohnungen und Häuser brauchten. Dass der Bauboom am Ende mit Pauken und Trompeten in die Hose ging, lag schlichtweg daran, dass die Bauunternehmen dachten, dass dieser „Segen“ ewig währen würde und nicht bedachten, dass der Zenit nach 1979 überschritten war. Sie bauten also eifrig weiter obwohl die Zielgruppe versorgt war und die kommenden Geburtenjahrgänge schwächer wurden.
Man könnte eine schier unendliche Liste von Beispielen weiter führen, die vom Autoboom bis hin zum Telefon führt und IMMER waren unsere heute 45-63-jährigen darin die Hauptakteure.
Nun verkaufen wir aber keine Autos und bauen auch keine Häuser – wir machen Porno und dass wir auch in diesem Bereich die Kraft dieser Boomgruppe nutzen können, haben wir nicht zuletzt der modernen Medizin zu verdanken, der es ist den letzten Jahrzehnten gelungen ist, diese Zielgruppe gewissermassen zu „verjüngen“.
Nicht nur die heute viel höhere Lebenserwartung, sondern auch der Trend nach „jung, fit, dynamisch und vor allem SEXUELL AKTIV bleiben“ beschert uns einen Umsatzbringer, der in seiner Qualität und Quantität kaum zu übertreffen ist. Hohe Kaufkraft, lange Haltezeiten, geringe Zahlungsausfälle und gefestigte Vorlieben, machen unsere Zielgruppe zu einer leichter einschätzbaren und Dankbaren Käuferschicht, die darüberhinaus schon aus Bequemlichkeit treuer ist als andere.
Es wäre aber zu schön um wahr zu sein, wenn es nicht auch hier Regeln geben würde, die man als „Jäger“ beachten muss um den „Hasen“ zur Strecke zu bringen.
Um die Eigenarten dieser Zielgruppe etwas besser zu verstehen, muss man sich insbesondere vor Augen halten, dass der Mensch nur bis zu einem bestimmten Alter „lernwillig“ ist. Je älter ein Mensch wird, desto mehr will er vom Gelernten profitieren und schematisiert bestimmte Vorgänge, Sprachgewohnheiten und Vorgehensweisen in der ihm bekannten und gewohnten Art und setzt diese dann voraus.
Es wäre also ein fataler Fehler, einen solchen Menschen, in eine für ihn völlig ungewohnte „neue Welt“ führen zu wollen, denn er wird sie so nicht akzeptieren und alternativ lieber auf das Gewohnte zurückgreifen.
Gerade jüngere Webmaster machen hier sehr oft den Fehler mit Schlagworten und Sprachgewohnheiten zu arbeiten, die dieser Gruppe völlig unverständlich sind.
Viele Fehler werden auch bei der Seitengestaltung gemacht. Das fängt damit an, dass dem gewohnten „von Links nach Rechts-Lesefluss“ kein Augenmerk geschenkt wird, geht weiter über zu kleine Schriftgrössen und endet in der Farbgestaltung, bei der nicht berücksichtigt wird, dass mit zunehmendem Alter das Kontrastsehen schwächer wird. Sehr häufig trifft man auch auf Farbgebungen, die von einem grossen Teil der männlichen User nicht wahrgenommen werden, da ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz der Männer an einer geschlechtertypischen Farbsehschwäche leidet, die sich jeweils nur in bestimmten Farbbereichen abspielt. So ist zum Beispiel sehr weit verbreitet, dass viele Männer den Unterschied zwischen grün und blau nicht erkennen aber auch viele andere Kombinationen sind möglich. Übrigens tritt diese Farbsehschwäche nicht nur bei älteren Menschen auf – etwa 5% alle Männer sind bereits so geboren.
Alleine zu dieser Thematik gibt es so viel zu wissen, dass ich mich hier gar nicht erst vertiefen will, sondern einfach jedem interessierten empfehle, darüber mal zu googeln und sich schlau zu machen – man glaubt nicht, an was man alles nicht denkt.
Ein weiterer Aspekt zum Erreichen dieser Zielgruppe ist die Sprache selbst. Auch wenn es sich in unserer Zeit doch eher eingebürgert hat, eine flapsig derbe, bis ordinäre Sprache im Verkauf von Pornoprodukten zu verwenden, so darf man nicht vergessen, dass diese Altersschicht vielfach eine geringere Schmerz –und Schamgrenze hat, als dies bei heutigen Jugendlichen vielleicht der Fall sein mag.
Es gibt für viele unserer derben „Fachausdrücke“ auch andere, harmlosere Beschreibungen und jeder der sich mal tiefgreifender mit Adwordmarketing befasst hat weiss, dass Mülltraffic gerade durch die Belegung der versautesten und menschenverachtendsten Keywords hervorgerufen werden.
Letztendlich aber ist es natürlich das Angebot selbst, das einen Kunden dieser Zielgruppe zum Bleiben oder Kündigen bewegt.
Unbestritten wird es auch innerhalb dieser Schicht einen Teil geben, der ganz spezielle Vorlieben und Neigungen hat, der grössere Teil davon neigt aber mehr zu einfacheren Dingen, denn Sexualität und die Vorlieben festigen sich in der Zeit in der man aufwächst – man tut also auch als Webmaster oder Anbieter gut daran, sich ein wenig mit dieser Zeit zu beschäftigen, in der selbst FKK-Strände schon als verwerflich galten.
Sex über Sechzig ist also zweifelsohne ein Thema, das in unserer Branche noch einen wachsenden Stellenwert bekommen wird. Die Menschen dafür gibt es jedenfalls und sie werden jeden Tag mehr. Wenn es unserer Branche gelingt auch diesen Menschen zu zeigen, dass sie im Internet verstanden werden, sehe ich darin einen genialen Zukunftsmarkt.
Wer mit mir und anderen interessierten darüber fachsimpeln möchte, den lade ich hiermit herzlich zur Onlinediskussion dieser Rubrik.





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